Ela Weidinger

Vorher gewusst?

Mit rollenden Augen höre ich wieder ihren typischen Satz: „Hättest du das mal besser vorher gewusst.“ Mittlerweile stehen mir bei dieser Aussage die Haare zu Berge. Hätte ich dann wirklich anders gehandelt? Manchmal frage ich mich, warum ich ihr eigentlich immer wieder etwas erzähle. Unwillkürlich schüttle ich meinen Kopf. „Ich möchte gar nicht alles vorher wissen. Viel wissen macht Kopfweh,

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Wenn die Weiche sich stellt

Wer sagt dir, dass nicht heute, am 29. Jänner 2026, der Tag sein kann, ab dem es beginnt, besser zu werden? Zugegeben: Im Leben kann man nicht alles beeinflussen – wahrscheinlich sogar nur einen sehr kleinen Teil. Doch genau dieser kleine Teil kann so viel bewirken. Stell es dir wie bei einer Eisenbahn vor. Es reicht eine kleine Weiche, die

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Der Tag hält noch

Der Tag hält noch, doch die Dunkelheit hat ihn bereits berührt. Die Lichter der festlich geschmückten Fenster beleuchten die Straße. In einer dunklen Ecke steht ein alter Mann bei den Containern. Seine Hände zittern, suchend, nach etwas, das seinen Bauch füllt. Der Wind streicht eiskalt über seine Wangen, als wäre er sein einziger Begleiter. Ein kurzer Blick, voller Sehnsucht: Die

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Drei Atemzüge Mut

Bist du bereit, die Schwelle zu übertreten? Du zögerst. Du ringst mit dir selbst. Du weißt: Wenn du hinübergehst, wirst du in den Spiegel sehen. Nicht dürfen – müssen. Die ungeschönte Wahrheit. Du sammelst Mut. Einen Schritt. Die Augen geschlossen. Drei Atemzüge. Als du sie öffnest, verschwimmt dein Blick. Tränen steigen auf. Und plötzlich verlieren deine Selbstzweifel ihre Schärfe. Zerschellen

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Wenn die Lichter nachschimmern

Wieder bin ich auf dem Weg nach Hause. Der Asphalt glänzt von der Nässe, als hätte der Abend selbst geweint. Schnee gibt es im Winter schon lange nicht mehr. Die Leere der Straße spiegelt etwas in mir wider, das ich nicht benennen kann. Ich freue mich auf meinen Mann – aber Herkunftswurzeln sind etwas anderes. Als ich über die Brücke

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Hoffnung ohne Anfang

Niemand nannte es einen Anfang. Es war auch keiner. Es hatte keinen ersten Tag. Wenn auch nicht oft, zeigt sie sich noch – wie ein Lichtstrahl zwischen all den dunklen Ästen, der nicht bleibt, aber zurückkommt. Vielleicht ist das genug. Vielleicht war es immer das.

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Noch nicht

Du hast aufgehört mitzuzählen, wie oft du dich umdrehst. Die Uhr ermahnt dich stumm. Nach Mitternacht. Im Haus ist alles still. Nur das Aquarium plätschert weiter. Die Fische haben sich versteckt. Der schmale Lichtstreifen der Straßenlaterne bleibt an der Wand stehen. Weiter kommt er nicht. Das stetige Hämmern in deiner Brust hält an. Du fasst keinen Gedanken. Du suchst keinen.

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Im Tunnel der Eile

Mit rasendem Tempo schießen wir, durch den U-Bahn-Schacht. Wir werden vor uns hergetrieben, bis kaum noch etwas zwischen zwei Atemzügen passt. Kaum erreichen wir Rekordtempo, reißt uns die Bremse wieder zurück. Ein Ruck nach vorne, einer zurück – als hätte die Zeit selbst Probleme, die Geschwindigkeit zu halten. Der Lärm der Fahrgäste wird zu einem Flüstern, das irgendwo hinter meinen

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Deine Mütze

Elf Jahre fehlst du schon. Ich streiche über die gestrickte Wolle. Das dunkle Grün hat etwas an Farbe verloren. Es verblasst. So wie deine Stimme. Deine Augen sehe ich noch immer unter dem Bommel hervorblicken, am ausgefransten Rand. Ich klopfe den Staub ab, der sich wie eine Decke darüber legt. Durch die vielen Jahre des Tragens fühlt sie sich rau

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Immer noch

Wie jeden Abend stelle ich unsere Tasse Tee auf den Tisch. Immer noch ist das unser gemeinsames Abendritual. Du gehst draußen noch die Runde mit unserer Fellnase. Immer noch sind wir diese kleine Familie. Ich lehne mich an die Fensterbank, suche dich draußen. Immer noch freue ich mich, wenn du durch die Tür kommst. Ich ziehe die Vorhänge zu, stelle

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