Ela Weidinger

Näher als ich selbst

Zwei Seelen, kaum mehr zu zählen, die sich still aneinander lehnen, getrennt und doch nacheinander sehnen. Ohne Worte verstehen, Gedanken im Anderen zu Ende gehen, im Anderen finden, ohne sich aneinander zu binden. Risse, die an gleichen Stellen liegen, ohne sich daran zu verbiegen, ähnliche Träume entstehen, weil beide zum selben Horizont sehen. Gemeinsam Grenzen verschieben, verwandt und doch verschieden,

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elfchen # 1-3

Annäherung DuUnd ichRücken näher zueinanderWachsen still tiefer ineinanderLiebe Geborgen IchBei dirin deinen Armendarf ich einfach seinGeborgenheit Weiter WirIn LiebeSchon so langeGehen leise weiter zusammenZusammen

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bis ich

Angst atmet in mir Beklemmung bremst mich Chaos – chancenlos Dunkelheit – findet jede Ritze Erbarmungslos reißen Erinnerungen mich auf Furcht fasst fortan Fuß – und bleibt Gnadenlos – kein Entkommen Hoffnung hält nicht mehr Ich – nicht mehr hier

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Freudentanz

Freudenstrahlend leuchtet Morgenrot, rosiges Licht auf stillen Dingen, erquicklich atmet die Welt, unbeschwert trägt der Wind die Sorgen fort. Drängend beginnt dieser Anfang, entzückt vom Jetzt, nah wächst jeder Schritt in mir, tatkräftig greife ich nach Weite, ausgelassen klingt mein Innerstes – neu geboren mein Tag zieht ins Leben.

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unter meiner Rippe # 2

Vierzig. Bald einundvierzig. Noch immer trage ich den Namen, den mir andere gaben. Die Sensible. Die Empfindliche. Die Traurige. Die, die zusammenzuckt. Die, die laut weint. Die, die nichts aushält. Die Schwache. Aber unter meiner Rippe schlägt ein anderer Name. Nein. Es sind mehrere. Sie drängen an die Oberfläche wie ein Atem, der zu lange angehalten wurde. Welche Namen dürfen

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Wo wir

Dort wo Vaterland Dort im Bundesland Dort wo Grenzen relevant Oder dort wo geboren Dort hinter den braunen Gartentoren Dort wo die Kindheit verloren Oder dort wo geborgen Dort in euren Händen die umsorgen Dort wo keine Geheimnisse verborgen Oder hier wo mit dir Hier wo mit mir Hier wo wir Heimat.

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unter meiner Rippe # 1

Vierzig. Bald einundvierzig. Noch immer trage ich den Namen, den mir andere gaben. Die Verlässliche. Die Lächelnde. Die Schüchterne. Die Hilfsbereite. Die Naive.  Die, die macht. Die, die tut. Die, die Ja sagt. Die Doofe.  Aber unter meiner Rippe schlägt ein anderer Name. Nein. Es sind mehrere. Sie drängen an die Oberfläche wie ein Atem, der zu lange angehalten wurde.

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Farbfehler

Sie füllen den Raum mit ihrer strahlenden Art. Und da bin ich – der Fleck in der Masse. Für ihre Leichtigkeit zu still, für ihren Scharfsinn zu blind, für ihre Parolen zu taub, für ihre Masken zu echt. Vielleicht ist der Fleck ein Blickfang. Keiner, der verschwinden will. Vielleicht ist der Fleck die einzige Farbe im Schwarz-Weiß. Vielleicht ist genau

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Der Tag hält noch

Der Tag hält noch, doch die Dunkelheit hat ihn bereits berührt. Die Lichter der festlich geschmückten Fenster beleuchten die Straße. In einer dunklen Ecke steht ein alter Mann bei den Containern. Seine Hände zittern, suchend, nach etwas, das seinen Bauch füllt. Der Wind streicht eiskalt über seine Wangen, als wäre er sein einziger Begleiter. Ein kurzer Blick, voller Sehnsucht: Die

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Hoffnung ohne Anfang

Niemand nannte es einen Anfang. Es war auch keiner. Es hatte keinen ersten Tag. Wenn auch nicht oft, zeigt sie sich noch – wie ein Lichtstrahl zwischen all den dunklen Ästen, der nicht bleibt, aber zurückkommt. Vielleicht ist das genug. Vielleicht war es immer das.

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Noch nicht

Du hast aufgehört mitzuzählen, wie oft du dich umdrehst. Die Uhr ermahnt dich stumm. Nach Mitternacht. Im Haus ist alles still. Nur das Aquarium plätschert weiter. Die Fische haben sich versteckt. Der schmale Lichtstreifen der Straßenlaterne bleibt an der Wand stehen. Weiter kommt er nicht. Das stetige Hämmern in deiner Brust hält an. Du fasst keinen Gedanken. Du suchst keinen.

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