Ela Weidinger

Der Tag hält noch

Der Tag hält noch,
doch die Dunkelheit
hat ihn bereits berührt.

Die Lichter
der festlich geschmückten Fenster
beleuchten die Straße.

In einer dunklen Ecke
steht ein alter Mann bei den Containern.
Seine Hände zittern, suchend,
nach etwas,
das seinen Bauch füllt.

Der Wind streicht eiskalt über seine Wangen,
als wäre er
sein einziger Begleiter.

Ein kurzer Blick, voller Sehnsucht:
Die Fenster bleiben leer –
und tragen doch ein Versprechen.

Ein schmaler Lichtkeil
lässt den Mann zusammenzucken.
Eine Tür öffnet sich.
Dann noch eine.

Gaben wechseln die Hände,
kaum Worte.
Dankbar, doch zögernd
nimmt er sie an.

Bis sich eine weitere Tür öffnet
und er hineingebeten wird.

Die Lichter leuchten weiter über der Straße.

Es bleibt der Wunsch,
dass dieses Hinsehen,
diese Menschlichkeit,
nicht mit dem Fest
vergeht.

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