Ela Weidinger

Näher als ich selbst

Zwei Seelen,
kaum mehr zu zählen,
die sich still aneinander lehnen,
getrennt und doch nacheinander sehnen.

Ohne Worte verstehen,
Gedanken im Anderen zu Ende gehen,
im Anderen finden,
ohne sich aneinander zu binden.

Risse, die an gleichen Stellen liegen,
ohne sich daran zu verbiegen,
ähnliche Träume entstehen,
weil beide zum selben Horizont sehen.

Gemeinsam Grenzen verschieben,
verwandt und doch verschieden,
kein Halten aus Pflicht oder Muss,
nur ein stiller Entschluss.

Nicht allein,
doch auch nicht weniger mein,
und plötzlich bist du mir näher als ich mir selbst –
und genau das macht mir Angst.