Ela Weidinger

fragment # 2 – sie

Mit einem Lächeln kommt sie an, als gehöre sie längst hierher. Nur ihr Blick trägt eine Weite, als würde er mehr festhalten, als er preisgibt, so als hätte sie die Welt gesehen.
Wenn sie lacht, sammeln sich Sonnenstrahlen in ihren Grübchen. Alles an ihr wirkt ungekünstelt, beinahe unberührt echt – als hätte das Leben sie noch nicht verbogen.
Ihre Bewegungen sind leicht, fast schwebend, als folgten sie einem eigenen Takt. Sie füllt den Raum, ohne ihn zu beanspruchen.
Und doch ist da mehr. Etwas bleibt unter der Oberfläche. Ihre Gedanken reichen weiter, als sie ausspricht. Hinter ihrer Leichtigkeit liegt etwas Schweres, das noch keinen Namen trägt, aber bleibt.

Manchmal hält sie mitten im Satz inne, als würde sie nach einem Wort suchen, das genauer trifft. Dann lächelt sie kurz, als hätte sie sich dagegen entschieden.
So als wüsste sie, dass nicht alles gesagt werden muss, um wahr zu sein.

– inspiriert durch die wundervolle Lyrikerin Patricia M. während einer gemeinsamen Schreibwerkstatt –